Hand in Hand unter einem Dach: Zollstrasse Zürich

Warum wirkt es sich bis ins Untergeschoss aus, wenn die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach an einen anderen Ort zu stehen kommt? Und was hat das mit grauer Energie zu tun? Bei der Planung der «Gleistribüne» an der Zollstrasse Ost im Zürcher Kreis 5 müssen zahlreiche Bereiche haargenau aufeinander abgestimmt werden. Damit dies gelingt, arbeitet unser breit aufgestelltes Team intensiv zusammen.

Manch einem mag der schmale Streifen Land zwischen der Zollstrasse und dem Gleisfeld beim Hauptbahnhof Zürich gar nie aufgefallen sein. Doch das wird sich bald ändern: Die SBB will das Areal neu beleben. Ab Oktober 2019 werden dort ein neues Dienstleistungsgebäude sowie ein Wohnkomplex aus drei Hochbauten stehen. Für diese «Gleistribüne» ist eine durchmischte Nutzung vorgesehen: In den Obergeschossen entstehen rund 140 Wohnungen unterschiedlicher Grösse; in den Erdgeschossen werden ein Restaurant, Läden und Kleingewerbe untergebracht. Rundherum sorgt ein öffentlich zugänglicher, speziell bepflanzter Freiraum für eine hohe Aufenthaltsqualität.   

Schwierige Lage am Tor des S-Bahntunnels                                                                                   

Den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern wird wohl kaum auffallen, welche komplexe Planung hinter der «Gleistribüne» steckt. Da ist zum Beispiel das durchgehende Untergeschoss, das die drei Hochbauten miteinander verbinden wird. Es kommt unmittelbar neben den S-Bahntunnel zu liegen und die Platzverhältnisse sind äusserst eng. Unsere Bauingenieure sorgen dafür, dass die Baugrube den Betrieb des Tunnels in keiner Weise beeinträchtigt und die hohen Sicherheitsanforderungen erfüllt.

Wenn das Ganze mehr als seine Teile ist

Knacknüsse zeigen sich aber nicht nur in einzelnen Bereichen – oft hat eine kleine Änderung in einem Bereich grosse Auswirkungen auf andere: Wird zum Beispiel die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach anders dimensioniert, muss die Tragwerksplanung die zusätzlichen Lasten bis in die Untergeschosse einkalkulieren. Braucht es zusätzlichen Beton, zum Beispiel für eine dickere Decke, hat der Haustechnikplaner vielleicht nicht mehr genügend Platz für die Leitungen. Die Nachhaltigkeitsberatung ist hingegen gefordert, geeignete Massnahmen zu ergreifen, um die graue Energie zu kompensieren, die im zusätzlichen Beton steckt.

Fachexpertise und intensive Zusammenarbeit verschiedener Bereiche – dadurch lösen wir Knacknüsse.

Mit unerwarteten Situationen sind wir immer wieder konfrontiert. Wie wir sie lösen? Fachexpertise ist wichtig, führt aber alleine nicht zum Ziel. Im Generalplanerteam um Esch Sintzel Architekten sind wir vom Wettbewerb bis zur Realisierung verantwortlich für Tragwerksplanung, Fassadenplanung, Nachhaltigkeitsberatung, Gebäudetechnikplanung (Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Elektro, Gebäudeautomation) und Brandschutz. Mehrfach hat es sich ausgezahlt, dass bei uns verschiedene Bereiche unter einem Dach zusammenarbeiten: Kommt es zu einem Problem, muss nicht zuerst ein Termin zwischen zahlreichen involvierten Firmen vereinbart werden – bei EBP holen wir alle betroffenen Fachplanerinnen und Fachplaner unkompliziert an einen Tisch, reflektieren verschiedene Sichtweisen und haben damit schnell Lösungsvorschläge zur Hand. Weil wir über den eigenen Tellerrand blicken, erkennen wir Stolpersteine zudem frühzeitig.

Verwinkelter Wohnkomplex

«Da würden wir dem Haustechnikplaner einen Strich durch die Rechnung machen», dachten die Fassaden- und Tragwerksplaner, als sie eine Stütze dorthin verschieben wollten, wo eigentlich ein grosses Lüftungsgerät vorgesehen war. Zu dritt steckten sie die Köpfe zusammen, erarbeiteten neue Varianten und besprachen sie anschliessend mit den Architekten.

Die Fassade zu planen, ist eine komplexe Teamaufgabe. Der Grundriss ist unregelmässig und die Geometrie der Gebäude verwinkelt. Trotzdem soll die Fassade höchste Qualitätsansprüche erfüllen. Vorgefertigte Klinkerstützen und Betonelemente geben dem Gebäude eine Struktur. Dahinter liegt eine dichte Ebene aus Holz-/ Metallfenstern in den Obergeschossen und Holzfenstern in den Loggien. Viel Feinarbeit ist nötig, damit schliesslich alles dort ist, wo es hinkommen soll. Vom Grundelement, über die Loggien bis zur Haustechnik: Zahlreiche Fachplanerinnen und Fachplaner stimmen sich bis ins kleinste Detail sorgfältig untereinander ab.

Die Fassade zu planen, ist eine komplexe Teamaufgabe. Copyright: SBB Immobilien
Die Fassade zu planen, ist eine komplexe Teamaufgabe. Copyright: SBB Immobilien

Ehrgeizig nachhaltig

Werden die Ziele von Minergie-Eco erfüllt, wenn die tragende Wand aus Backstein anstatt Beton angefertigt wird? Inwiefern lassen sich mit der Photovoltaik-Anlage die Anforderungen von Minergie-P erreichen? Und was bedeutet dies für das Label DGNB Gold, das sich nicht nur auf die energetischen Aspekte, sondern auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes bezieht? Konsequent sprechen sich alle unsere Fachplanerinnen und –planer mit unserer Nachhaltigkeitsberaterin ab. Schliesslich soll der Wohnkomplex gleichzeitig die Vorgaben von DGNB Gold sowie die Anforderungen an die Primärenergie von Minergie-P und -Eco und erreichen. All dies unter einen Hut zu bringen, erfordert ein haargenaues Monitoring des Projekts. Denn ob Baustoff, Energieverbrauch oder Farbbeschichtung: Die kleinste Änderung kann dazu führen, dass die Anforderungen eines Labels nicht mehr erfüllt sind. Da ist es schon hilfreich, dass wir alle für Nachhaltigkeitsfragen sensibilisiert sind. Zielkonflikte diskutieren wir bei einem Kaffee zwischendurch; an den offiziellen Sitzungen präsentieren wir eine gut durchdachte Entscheidungsgrundlage. Von solch einer reibungslosen Zusammenarbeit profitiert nicht nur die Kundin. Wir alle gewinnen wertvolle Einblicke in neue Bereiche und lernen ständig viel Neues dazu.

Das Projektteam (von links nach rechts):

Projektteam Zollstrasse

EBP legt grossen Wert darauf, beim Brandschutz das optimale Konzept für jeden Kunden zu finden, so auch bei der Überbauung Zollstrasse. Mit Marcel Lehner funktioniert das einwandfrei. Der Brandschutzspezialist arbeitet seit 2014 bei EBP. Davor war er bei EBP 12 Jahre lang für die Planung und Realisation von Lüftungs- und Entrauchungsanlagen verantwortlich.

Ob Nachhaltigkeitsberatungen auf Stufe Wettbewerb, DGNB-Überprüfungen oder Beratungen auf Areal-/ Quartiersebene: Der Erfahrungsschatz der Teamleiterin nachhaltiges Bauen ist äusserst vielfältig. Sabrina Krank vertritt EBP in zahlreichen schweizerischen Gremien des nachhaltigen Bauens; zudem ist die Architektin akkreditierte Auditorin des DGNB-Labels sowie LEED Green Associate.

Projektteam Zollstrasse

Hochbauten, Erdbebenüberprüfungen oder Brückenbau: Die Projektarbeit von Daniel Rüegg ist äusserst vielseitig. Er führt das Team Hochbau und Erdbebensicherheit. Und dieses strebt auch in anspruchsvollen Projekten nach effizienten und kreativen Tragwerkslösungen mit möglichst geringem Ressourcen-Verbrauch. 

Heizung, Kälte und Lüftung – dies sind die Fachgebiete, mit denen Reto Weiss vom Geschäftsbereich Energie und Technik täglich zu tun hat. In diversen Projekten ist er auch für die Fachkoordination und alle Gebäudetechnikgewerke zuständig. Bei der «Gleistribüne» hat er zusätzlich die Nutzung des Grundwassers für die Beheizung sowie die Photovoltaik-Anlage geplant.

Marco Bachmann ist Leiter des Teams Fassaden Engineering. Mit fundiertem Fachwissen und langjähriger Erfahrung setzen die Fachplanerinnen und -planer den Gedanken der Nachhaltigkeit in verschiedensten Projekten konkret um. In enger Zusammenarbeit mit Architekten und Planern entwickeln sie projektorientierte Lösungen für die Gebäudehülle von Neubauten und Sanierungen.