Projekt

Risiken von Menschenrechts-Verletzungen im Schweizer Goldsektor

Die Schweiz als wichtige Drehscheibe für Goldhandel und -raffinierung steht immer wieder in der Kritik. Der Vorwurf: Sie importiere Gold , welches unter menschrechtsverletzenden Bedingungen abgebaut und verarbeitet wird. Wie gross ist dieses Risiko wirklich?

Die Schweiz ist weltweit einer der wichtigsten Standorte für den Goldhandel. In den letzten Jahren hat sie bis zu 3'000 Tonnen Rohgold jährlich aus mehr als 90 verschiedenen Ländern importiert und raffiniert. Das Rohgold stammt entweder von Kleinschürfern (artisanal/small-scale mines), grossen industriellen Minen (large-scale mines) oder aus dem Recycling (z.B. Goldrückgewinnung aus elektronischen Geräten oder altem Schmuck).

EBP hat im Auftrag des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) eine Expertenstudie erarbeitet. Diese ermittelt, wie hoch das Risiko ist, dass die Schweiz Gold importiert, welches unter Menschenrechtsverletzungen produziert, vorverarbeitet oder transportiert wurde. Die Studie dient u.a. zur Beantwortung des Postulats Recordon.

  1. Die Studie erläutert zuerst die Funktionsweise und Akteure der Schweizer Goldraffination. Sie analysiert den relevanten regulatorischen Rahmen in der Schweiz und international (soft und hard law).
  2. In einem zweiten Schritt identifiziert sie auf Basis eines Analyserasters die potentiellen Menschenrechtsgefährdungen entlang der drei wichtigen Wertschöpfungsketten der Goldproduktion (Produktion, Vorverarbeitung, Transport).
  3. Darauf basierend beschreibt EBP drittens systematisch bestehende Risikoreduktionsmassnahmen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Sorgfaltsprüfungen durch die Goldindustrie und Endkunden.
  4. Schliesslich identifiziert die Studie bestehende Restrisiken und beschreibt mögliche Zukunftsszenarien, um diese zu minimieren. So soll zukünftig verhindert werden, dass die Schweiz Gold importiert, welches unter Menschenrechtsverletzungen produziert, vorverarbeitet oder transportiert wurde.

Die Studie basiert auf umfangreichen Literaturrecherchen und rund 20 Interviews mit Repräsentanten der Goldindustrie, internationalen Standardsetzern (OECD, LBMA, RJC, etc.), Schweizer Nichtregierungsorganisationen und verschiedenen Behördenstellen.

EBP erarbeitete die Studie in Zusammenarbeit mit Prof. Christine Kaufmann (Universität Zürich) und Markus Nöthiger (enemco GmbH).