Projekt

Risikobasierte Raumplanung bei Naturgefahren – praxisnah erklärt

Wie kann die Raumplanung risikobasiert auf Naturgefahren reagieren? Und wie motiviert man Raumplaner, Gemeinden und Kantone nach diesem neuen, flexibleren Konzept zu planen? Diese Fragen beantwortete ein interdisziplinäres EBP-Team mit sorgfältig ausgewählten und prägnant aufbereiteten Fallbeispielen aus der gesamten Schweiz.

Karte Fallbeispiele

Das EBP-Team setzte sich aus Experten der Bereiche Raumplanung, Naturgefahren und Kommunikation zusammen. Eine breit abgestützte Begleitgruppe mit kantonalen und kommunalen Vertretern sowie Fachexperten und Praktikern aus der Privatwirtschaft (Naturgefahren, Raumplanung und Gebäudeversicherung) unterstützte das Projekt. Das Ergebnis ist eine hochwertig aufbereitete Online-Broschüre, die in die Thematik einführt, neugierig macht, zum Nachahmen anregt und den Austausch der Beteiligten fördert. Konkret zeigen die Fallbeispiele aus der persönlichen Perspektive der Akteure, welche Chancen ein risikobasierter Ansatz bietet, um mit verschiedenen Raumplanungsinstrumenten den möglichen Naturgefahren zu begegnen.

Was ist risikobasierte Raumplanung?

Nicht nur die Gefährdung eines Ortes, sondern vor allem seine Nutzung bestimmt das Risiko. Denn je nach Art der Nutzung steigt oder sinkt das Schadenpotenzial. Bislang begegnet die Raumplanung den Naturgefahren hauptsächlich mit einem gefahrenbasierten Ansatz. Ob und welche Schutzmassnahmen nötig sind, leitet sich dabei rein aus der Gefahrenstufe eines Gebietes ab, die in der Gefahrenkarte verzeichnet ist. Der Fokus liegt auf den Gebieten mit einer erheblichen oder mittleren Gefährdung. Doch häufig liegen die grössten Risiken nicht in erheblich oder mittel gefährdeten Gebieten, sondern in solchen mit einer geringen Gefährdung. Eine risikobasierte Raumplanung trägt diesem Aspekt Rechnung, indem sie stärker auf die Nutzung fokussiert und das damit verbundene Schadenpotenzial berücksichtigt.

Infografik Risikobasierte Raumplanung Deutsch

Chancen der risikobasierten Raumplanung

EBP erarbeitete im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt und des Bundesamtes für Raumentwicklung eine Broschüre, die in die Thematik der risikobasierten Raumplanung einführt. Sie definiert den Begriff der risikobasierten Raumplanung im Umgang mit Naturgefahren, geht auf die involvierten Akteure sowie die sich bietenden Chancen ein und zeigt Lösungsansätze der risikobasierten Raumplanung.

Konkrete Beispiele aus Gemeinden und Kantonen

Um die Vorteile der risikobasierten Raumplanung möglichst praxisnah und nachvollziehbar aufzubereiten, wählten wir einen sehr persönlichen Ansatz. Jedes Fallbeispiel ist aus der individuellen Perspektive eines Akteurs geschildert. So berichten Raumplaner, Gemeindevertreter und Mitarbeiter kantonaler Behörden von ihren Erfahrungen und Herangehensweisen. Ein Farb- und Gestaltungskonzept führt die Leser durch die Broschüre, bietet schnelle Orientierung und macht die Inhalte einfacher fassbar.

Raumplanungsinstrumente zum Umgang mit Naturgefahren

Die Broschüre zeigt auf, welche Instrumente die risikobasierte Raumplanung für die jeweiligen Akteure bereithält, um Risiken gezielt zu steuern:

  • Kantonaler Richtplan: Er ermöglicht den Kantonen, Ziele, Grundsätze und Massnahmen einer risikobasierten Raumplanung behördenverbindlich festzulegen.
  • Kommunaler Nutzungsplan: Er regelt die Nutzung des Raumes eigentümerverbindlich. Bei der Revision Ihrer Nutzungspläne haben Gemeinden die Chance, neu Aspekte einer risikobasierten Raumplanung aufzunehmen.
  • Sondernutzungsplan: Mit dem Sondernutzungsplan können Gemeinden die Nutzung bestimmter Gebiete detaillierter regeln.
  • Baubewilligungsverfahren: Fehlen Vorgaben der Nutzungs- und Sondernutzungsplanung, so kann die Gemeinde im Baubewilligungsverfahren auf eine risikobasierte Raumplanung hinwirken, jedoch nur in beschränktem Masse.

Wertvolle Hinweise für die Praxis

Die Broschüre zeigt anhand der Fallbeispiele auf, wie ein risikobasierter Ansatz mit seinen verschiedenen Instrumenten die raumplanerische Umsetzung der Naturgefahren-Karten ergänzen kann. Sie liefert damit wertvolle Hinweise, wie Fachpersonen der Raumplanung, Gemeinden und Kantone die Gefahrenkarten raumplanerisch und risikobasiert in der Praxis umsetzen können.

Die Online-Broschüre liegt in deutscher und französischer Sprache vor.